Argentinien ist eines der eindrucksvollsten Reiseländer Südamerikas. Kaum ein anderes Land verbindet so viele Extreme: subtropische Wasserfälle im Norden, Weingüter am Fuß der Anden, farbige Wüstenlandschaften in Salta und Jujuy, Tango und Architektur in Buenos Aires, Gletscher in Patagonien, Seenlandschaften rund um Bariloche und das Ende der Welt in Ushuaia. Die offizielle argentinische Tourismusseite beschreibt Argentinien als Land mit sechs touristischen Regionen und rund 2,78 Millionen Quadratkilometern Fläche; für eine umfassendere Reise zu Buenos Aires, Patagonien, Los Glaciares, Iguazú, Mendoza, Uco Valley und dem Norden empfiehlt sie mindestens 20 Tage.
Argentinien im Überblick
Argentinien ist riesig. Von den Iguazú-Wasserfällen im Nordosten bis nach Feuerland im Süden liegen mehrere Klimazonen, große Entfernungen und völlig unterschiedliche Landschaften. Deshalb ist Argentinien kein Land, das man „mal eben komplett“ bereist. Für eine erste Reise sollte man sich entweder auf die klassischen Höhepunkte konzentrieren oder bewusst eine Region intensiver erleben. Die argentinische Tourismusseite nennt als besonders gefragte Ziele unter anderem Buenos Aires, Bariloche, El Calafate mit seinen Gletschern, Iguazú, Mendoza, Salta, Jujuy, Tucumán und Ushuaia.
Für deutsche Reisende ist die Einreise vergleichsweise unkompliziert. Deutsche Staatsangehörige benötigen für touristische Aufenthalte bis zu 90 Tagen mit biometrischem oder vorläufigem Reisepass kein Visum. Die Einreise ist mit Reisepass, vorläufigem Reisepass und Kinderreisepass möglich; Personalausweis und vorläufiger Personalausweis werden nicht akzeptiert. Das Reisedokument muss bei Einreise gültig sein, eine Gültigkeit über die Reisedauer hinaus wird empfohlen.
Buenos Aires – Tango, Stadtviertel und europäisches Flair
Buenos Aires ist für viele Reisende der Einstieg nach Argentinien. Die Hauptstadt wirkt gleichzeitig europäisch, lateinamerikanisch, elegant, laut, melancholisch und lebendig. Hier trifft französisch inspirierte Architektur auf breite Avenidas, alte Cafés, Tango, Fußballleidenschaft, Street Art, Steakrestaurants, Buchläden und moderne Viertel am Wasser.
Zu den wichtigsten Stadtteilen gehören San Telmo, La Boca, Palermo, Recoleta, Puerto Madero und Microcentro. San Telmo ist bekannt für Antiquitätenmärkte, Kopfsteinpflaster und Tangostimmung. La Boca ist mit Caminito farbenfroh und touristisch, aber auch ein Ort, an dem man aufmerksam bleiben sollte. Recoleta bietet elegante Architektur, Museen und den berühmten Friedhof. Palermo ist ideal für Cafés, Restaurants, Parks, Bars und Boutiquen.
Für Buenos Aires sollte man mindestens drei Tage einplanen. Wer Museen, Märkte, Restaurants, Tango und Tagesausflüge wie Tigre oder Colonia del Sacramento in Uruguay einbauen möchte, bleibt besser fünf Tage. Wegen Taschendiebstahl, Raubdelikten und Trickbetrug empfiehlt das Auswärtige Amt in Menschenmengen, Bahnhöfen, Flughäfen, U-Bahn und Bussen besondere Aufmerksamkeit; nach Einbruch der Dunkelheit sollten Taxis oder Fahrdienste per App beziehungsweise telefonisch bestellt werden.
Iguazú – Wasserfälle im subtropischen Regenwald
Die Iguazú-Wasserfälle gehören zu den größten Naturwundern Südamerikas. Sie liegen im Nordosten Argentiniens an der Grenze zu Brasilien und sind ein perfekter Kontrast zu Buenos Aires oder Patagonien. Die offizielle argentinische Tourismusseite beschreibt den Iguazú-Nationalpark mit 275 Wasserfällen; die Garganta del Diablo, also der Teufelsschlund, erreicht etwa 82 Meter Höhe.
Der argentinische Teil ist besonders intensiv, weil Stege und Wege nah an die Wasserfälle führen. Man erlebt die Fälle von oben, von unten, durch Regenwaldwege und an Aussichtspunkten. Wer Zeit hat, sollte auch die brasilianische Seite besuchen, weil man dort den besseren Panoramablick bekommt. Für Iguazú reichen zwei Nächte, besser sind drei, wenn man beide Seiten und eventuell eine Bootstour machen möchte.
Gesundheitlich ist wichtig: Für die direkte Einreise aus Deutschland gibt es keine Pflichtimpfungen, aber bei Reisen in Gelbfiebergebiete Argentiniens, darunter Misiones mit den Iguazú-Wasserfällen, empfiehlt das Auswärtige Amt eine Gelbfieberimpfung für Reisende ab neun Monaten. Auch Hepatitis A wird als sinnvoll genannt; je nach Reiseprofil können weitere Impfungen relevant sein.
Patagonien – Gletscher, Berge und endlose Weite
Patagonien ist für viele der eigentliche Traum einer Argentinien-Reise. Weite Steppe, schneebedeckte Berge, Gletscher, türkisfarbene Seen, Wind, Kondore und kleine Orte prägen diese Region. Die klassischen Ziele sind El Calafate, Perito-Moreno-Gletscher, El Chaltén, Bariloche, die Seenregion, Península Valdés und Ushuaia.
El Calafate ist der Ausgangsort für den Perito-Moreno-Gletscher im Nationalpark Los Glaciares. Dieser Gletscher ist eines der stärksten Naturerlebnisse Argentiniens, weil man von Stegen relativ nah an die riesige Eiswand herankommt. Die UNESCO-Dokumente führen Los Glaciares als argentinisches Welterbe; die argentinische Tourismusseite nennt Trekking auf dem Perito Moreno als eines der besonderen Erlebnisse an den UNESCO-Stätten des Landes.
El Chaltén ist das Wanderzentrum Argentiniens. Von hier aus führen Touren Richtung Fitz Roy, Cerro Torre und Laguna de los Tres. Wer gerne wandert, sollte El Chaltén nicht als Tagesausflug behandeln, sondern mindestens drei Nächte einplanen. Wetterumschwünge sind in Patagonien normal, und nicht jeder Tag eignet sich für die großen Touren.
Aktuell sollte man bei Patagonien-Reisen zusätzlich die Lage zu Waldbränden prüfen. Das Auswärtige Amt meldete für 2026 großflächige Waldbrände in Patagonien, insbesondere in Chubut, Río Negro, Neuquén und La Pampa, mit möglichen Evakuierungen, Zutrittsverboten in Nationalparks und weiteren Einschränkungen.
Bariloche und die Seenregion
San Carlos de Bariloche liegt in der argentinischen Seenregion und wirkt fast alpin. Seen, Wälder, Berge, Schokolade, Holzhäuser und Outdoor-Aktivitäten prägen die Region. Sie eignet sich gut für Reisende, die Patagonien erleben möchten, aber nicht nur Gletscher und Steppe suchen.
Bariloche ist ideal für Rundfahrten, Wanderungen, Kajak, Aussichtspunkte, Bootstouren und Roadtrips entlang der Ruta de los Siete Lagos Richtung Villa La Angostura und San Martín de los Andes. Die argentinische Tourismusseite nennt Bariloche und die patagonische Seenregion ausdrücklich als wichtige Ziele für Natur, Nationalparks und Roadtrips.
Mendoza – Wein, Anden und Aconcagua
Mendoza ist Argentiniens bekannteste Weinregion. Besonders Malbec hat die Region international berühmt gemacht. Die Stadt selbst ist angenehm, grün und entspannt, aber die eigentlichen Highlights liegen außerhalb: Weingüter in Maipú, Luján de Cuyo und Uco Valley, Andenpanoramen, Thermen und Ausflüge Richtung Aconcagua.
Mendoza eignet sich perfekt als Kontrast zu Buenos Aires, Iguazú oder Patagonien. Man kann Weintouren machen, gut essen, Fahrradtouren durch Weinberge planen oder Richtung Hochanden fahren. Wer nach Chile weiterreisen möchte, nutzt oft die Route über den Cristo-Redentor-Pass nach Santiago. Dieser Grenzübergang und weitere Andenpässe können laut Auswärtigem Amt in den Wintermonaten von Mai bis September wegen starker Schneefälle häufig gesperrt sein.
Salta, Jujuy und der Nordwesten
Der Nordwesten Argentiniens ist eine der farbenprächtigsten Regionen des Landes. Salta, Cafayate, Cachi, Purmamarca, Tilcara, Humahuaca, Salinas Grandes und die Quebrada de Humahuaca bieten koloniale Städte, Kakteenlandschaften, rote Felsen, Hochland, Wein, indigene Kultur und spektakuläre Straßen.
Die Quebrada de Humahuaca gehört zum UNESCO-Welterbe. Die UNESCO beschreibt sie als schmales, trockenes Bergtal in Jujuy, das über etwa 155 Kilometer dem Río Grande folgt und seit rund 10.000 Jahren als wichtige Handels- und Kulturroutenlandschaft genutzt wird.
Für diese Region sollte man nicht zu knapp planen. Die Höhenlagen können körperlich anstrengend sein, und die Strecken sind landschaftlich so schön, dass man viele Stopps machen möchte. Salta eignet sich als Basis, Cafayate für Wein und Landschaft, Purmamarca und Tilcara für die farbigen Berge und Humahuaca als nördlicher Höhepunkt.
Ushuaia und Feuerland
Ushuaia nennt sich gerne „Ende der Welt“. Die Stadt liegt auf Feuerland, ganz im Süden Argentiniens, und ist Ausgangspunkt für den Tierra-del-Fuego-Nationalpark, den Beagle-Kanal, Pinguin-Ausflüge und Kreuzfahrten Richtung Antarktis. Landschaftlich ist die Region rau, kühl und besonders: Berge, Meer, Wälder, Wind und subantarktische Stimmung treffen hier zusammen.
Ushuaia lohnt sich vor allem für Reisende, die den Süden bewusst erleben möchten. Für eine erste kurze Argentinien-Reise ist es wegen der Distanz nicht zwingend, aber bei drei Wochen oder einer Patagonienreise gehört es zu den stärksten Ergänzungen. Die argentinische Tourismusseite nennt Ushuaia ausdrücklich als „End of the World“-Ziel unter den gefragten touristischen Orten.
Beste Reisezeit für Argentinien
Die beste Reisezeit hängt stark von der Region ab. Für Buenos Aires sind Frühling und Herbst besonders angenehm. Für Patagonien sind November bis März die klassische Hauptreisezeit, weil dann die Tage länger und viele Wanderregionen besser zugänglich sind. Für Iguazú sind Herbst und Frühling angenehm, während der Sommer heiß und feucht sein kann. Für Mendoza sind März und April wegen Weinlese und Herbstfarben sehr attraktiv. Für Salta und Jujuy eignen sich viele Monate, wobei Trockenzeit und Höhenlage eine Rolle spielen.
Das Auswärtige Amt beschreibt Argentiniens Klima als sehr unterschiedlich: subtropisch im Norden mit extrem heißen und feuchten Sommern, gemäßigt im Zentrum und subarktisch im Süden; außerdem können im ganzen Land abrupte und große Temperaturschwankungen auftreten.
Fortbewegung in Argentinien
Wegen der großen Entfernungen sind Inlandsflüge oft die praktischste Lösung. Buenos Aires–Iguazú, Buenos Aires–El Calafate, Buenos Aires–Ushuaia, Buenos Aires–Mendoza oder Buenos Aires–Salta sind typische Flugstrecken. Überlandbusse sind ebenfalls wichtig und oft komfortabel, brauchen aber viel Zeit.
Das Auswärtige Amt nennt ein Inlandsflugnetz und gute klimatisierte Überlandbusverbindungen; Eisenbahnverbindungen im Inland sind dagegen eher vereinzelt und für Reisende mit viel Zeit geeignet. Flugverspätungen und Streiks kommen häufig vor und sollten bei Anschlussflügen eingeplant werden.
Mietwagen lohnen sich besonders in Mendoza, Salta/Jujuy, Patagonien und der Seenregion. Man sollte aber vorsichtig fahren, Dunkelheit vermeiden und sich auf schlechte Straßen, Schlaglöcher, Tiere und Polizeikontrollen einstellen. Der internationale Führerschein wird empfohlen und ist nur zusammen mit dem nationalen deutschen Führerschein gültig.
Sicherheit, Geld und praktische Hinweise
Argentinien ist gut bereisbar, aber man sollte Großstadtkriminalität, Proteste, Streiks und regionale Naturgefahren ernst nehmen. Das Auswärtige Amt weist auf Demonstrationen und „Piquetes“ hin, die spontane Straßensperren und Einschränkungen im Nah- oder Flugverkehr verursachen können; außerdem gilt seit Februar 2026 ein erhöhtes landesweites Sicherheitsniveau mit verstärkter Polizeipräsenz und möglichen Verzögerungen an Flughäfen, Grenzübergängen und Verkehrsknotenpunkten.
Die Landeswährung ist der argentinische Peso. Wegen hoher Inflation können Bargeldlimits, Preise und Wechselkurse schnell schwanken. Kredit- und Debitkarten werden besonders in Buenos Aires häufig akzeptiert, außerhalb sollte man ausreichend Bargeld mitführen; Euro lassen sich außerhalb von Buenos Aires seltener tauschen als US-Dollar. Geld sollte nicht auf offener Straße gewechselt werden, weil Falschgeld und Trickbetrug vorkommen können.
Wie viele Tage sollte man für Argentinien einplanen?
Für eine erste Argentinien-Reise sind 14 bis 21 Tage sinnvoll. Eine klassische zweiwöchige Route könnte Buenos Aires, Iguazú, El Calafate, El Chaltén und eventuell Mendoza oder Bariloche verbinden. Mit drei Wochen kann man zusätzlich Salta/Jujuy oder Ushuaia einbauen.
Die offizielle argentinische Tourismusseite empfiehlt für eine umfassendere Reise durch mehrere Highlights mindestens 20 Tage. Das ist realistisch, denn die Distanzen sind groß und viele Reiseabschnitte laufen über Inlandsflüge.
Aktuelle Reiseführer für Argentinien
Ein guter Argentinien-Reiseführer sollte nicht nur Sehenswürdigkeiten auflisten, sondern Entfernungen, Klima, Routen und regionale Unterschiede erklären. Besonders hilfreich sind:
- Routenvorschläge für 2, 3 und 4 Wochen
- Kapitel zu Buenos Aires, Iguazú, Patagonien und Mendoza
- Hinweise zu Salta, Jujuy und Quebrada de Humahuaca
- Informationen zu Ushuaia und Feuerland
- Karten für Patagonien, Nordwesten und Seenregion
- Tipps zu Inlandsflügen und langen Busstrecken
- Hinweise zu Geld, Inflation und Bargeldversorgung
- Sicherheitstipps für Buenos Aires und Mietwagenreisen
- Gesundheitsinfos zu Iguazú, Gelbfieberregionen und Mückenschutz
- aktuelle Angaben zu Nationalparks, Bränden, Sperrungen und Wetter
Auf Reisekugel lassen sich kompakte Argentinien-Reiseführer, Südamerika-Guides, Patagonien-Führer und spezielle Wander- oder Roadtripführer vergleichen. Für eine erste Reise ist ein aktueller Reiseführer besonders wichtig, weil Preise, Verkehrsverbindungen, Wechselkurse und Nationalparkregeln sich schnell ändern können.
Fazit zum Argentinien-Reiseführer
Argentinien ist kein gewöhnliches Reiseziel, sondern ein Land der großen Kontraste. Buenos Aires bietet Kultur, Tango, Architektur und Großstadtleben. Iguazú zeigt tropische Naturgewalt. Mendoza verbindet Wein und Anden. Salta und Jujuy liefern Farben, Hochland und koloniale Orte. Patagonien bringt Gletscher, Berge, Wind und Weite. Ushuaia steht für Feuerland und das Gefühl, am Rand der Welt angekommen zu sein.
Wer Argentinien bereist, sollte Zeit mitbringen und nicht zu viele Regionen in zu wenige Tage pressen. Die Entfernungen sind groß, das Wetter kann extrem sein, und manche Ziele brauchen Geduld. Genau darin liegt aber der Reiz: Argentinien fühlt sich nicht wie ein kompaktes Urlaubsland an, sondern wie ein ganzer Kontinent in einem Land.
- Vogt, Jürgen (Author)
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- Vogt, Jürgen (Author)
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