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Charleroi Reiseführer: Industriekultur, Street-Art und belgische Stadtgeschichte - 2026

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Charleroi liegt in der französischsprachigen Wallonie und gehört zu den ungewöhnlicheren Städtereisezielen Belgiens. Die Stadt wurde über Generationen vom Kohlebergbau, von Stahlwerken, Glasproduktion und Schwerindustrie geprägt. Fördertürme, Backsteinhallen, Arbeiterviertel, Kanäle und begrünte Abraumhalden gehören daher ebenso zum Stadtbild wie Art-déco-Bauten, Museen, Comicfiguren und großformatige Wandgemälde.

Charleroi entspricht nicht dem klassischen Bild einer belgischen Städtereise. Es gibt keinen vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern wie in Brügge und keine geschlossene repräsentative Altstadt wie in Brüssel. Stattdessen erschließt sich die Stadt über Kontraste: restaurierte Fassaden stehen neben funktionaler Nachkriegsarchitektur, ehemalige Industrieanlagen werden zu Kulturorten, und auf früheren Zechenflächen entstehen Naturwege und Erinnerungsstätten.

Gerade diese Brüche machen Charleroi für Reisende interessant, die Industriekultur, Fotografie, moderne Kunst, Street-Art und Stadtentwicklung kennenlernen möchten. Das UNESCO-Welterbe Bois du Cazier erinnert zugleich an die Arbeitsmigration, an gefährliche Arbeitsbedingungen und an eine der schwersten Bergwerkskatastrophen Belgiens.

Ein Charleroi Reiseführer sollte deshalb nicht nur das Zentrum behandeln. Zu den wichtigsten Zielen gehören das Rathaus mit seinem Belfried, die Basilika Saint-Christophe, die Passage de la Bourse, das Kunstmuseum BPS22, das Fotomuseum in Mont-sur-Marchienne und die ehemalige Zeche Bois du Cazier. Die begrünten Abraumhalden und ungewöhnlichen Wanderwege zeigen eine überraschend naturnahe Seite der früheren Industrieregion.

Für einen ersten Besuch sind zwei Tage sinnvoll. Drei Tage ermöglichen eine ausführlichere Beschäftigung mit den Museen, der Bergbaugeschichte und den Außenbezirken. Mit einem zusätzlichen Ausflug nach Thuin, zur Abtei Aulne oder zu den Seen von Eau d’Heure kann Charleroi auch als Basis für eine kurze Reise durch den südlichen Teil der Provinz Hennegau dienen.

Warum Charleroi als Reiseziel interessant ist

Charleroi wird häufig auf seinen Flughafen oder seine industrielle Vergangenheit reduziert. Dabei gehört die Stadt zu den aufschlussreichen Orten für das Verständnis der belgischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Das Gebiet entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert zu einem wichtigen europäischen Zentrum für Kohle, Stahl, Maschinenbau und Glas.

Die Industrie zog Arbeitskräfte aus anderen Teilen Belgiens und später aus zahlreichen europäischen Ländern an. Besonders die italienische Einwanderung prägte Charleroi und die umliegenden Bergbaugemeinden nachhaltig. Diese Geschichte ist heute in Erinnerungsorten, Restaurants, Familienbiografien und kulturellen Einrichtungen sichtbar.

Nach dem Niedergang großer Teile der Schwerindustrie musste sich die Stadt neu orientieren. Ehemalige Fabriken, Zechengelände und Lagerhallen erhielten neue Funktionen. Kunst, Fotografie, Musik, Design und Street-Art spielen bei diesem Wandel eine wichtige Rolle. Charleroi wirkt dadurch nicht wie ein abgeschlossenes historisches Denkmal, sondern wie eine Stadt, deren Veränderung weiterhin sichtbar ist.

Oberstadt und Unterstadt

Das Zentrum von Charleroi wird traditionell in eine Oberstadt und eine Unterstadt gegliedert. Zwischen beiden Bereichen liegen Höhenunterschiede, Treppen, Straßen und moderne Verbindungen. Die Oberstadt konzentriert sich rund um die Place Charles II und das Rathaus. Die Unterstadt erstreckt sich in Richtung Bahnhof Charleroi-Central, Sambre und Einkaufsviertel.

Die Oberstadt wirkt stärker von öffentlichen Gebäuden, Kulturinstitutionen und älterer Architektur geprägt. Rund um die Place Charles II befinden sich das Rathaus, die Basilika Saint-Christophe und mehrere Straßen mit interessanten Fassaden.

Die Unterstadt wurde in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Moderne Einkaufsbereiche, Plätze und Fußwege verbinden den Bahnhof mit dem Zentrum. Entlang der Sambre und rund um den Quai Paul Verlaine zeigt sich die Nähe zum Wasser, die im früheren Industrie- und Güterverkehr eine wichtige Rolle spielte.

Ein Stadtrundgang kann am Bahnhof beginnen, über die Passage de la Bourse und die Unterstadt zur Place Verte führen und anschließend in die Oberstadt fortgesetzt werden. Dadurch werden die unterschiedlichen Entwicklungsschichten des Zentrums besonders deutlich.

Rathaus und Belfried von Charleroi

Das Rathaus gehört zu den wichtigsten Bauwerken der Stadt. Es wurde in den 1930er-Jahren errichtet und verbindet klassizistische Monumentalität mit Elementen des Art déco. Die helle Steinfassade, die repräsentativen Innenräume und der hohe Belfried spiegeln das Selbstbewusstsein einer damals wirtschaftlich bedeutenden Industriestadt wider.

Der mehr als 70 Meter hohe Belfried ist in das Rathausensemble integriert. Er gehört gemeinsam mit zahlreichen weiteren Belfrieden in Belgien und Frankreich zum UNESCO-Welterbe. Belfriede waren in den Städten dieser Region nicht nur Glockentürme, sondern auch Symbole kommunaler Freiheit und bürgerlicher Macht.

Das Rathausinnere ist nicht jederzeit frei zugänglich. Geführte Besichtigungen oder besondere Veranstaltungen ermöglichen gelegentlich einen Blick in Säle, Treppenhäuser und repräsentative Bereiche. Die aktuellen Möglichkeiten sollten vor der Reise geprüft werden.

Die umliegende Place Charles II eignet sich gut als Ausgangspunkt für einen Architekturspaziergang durch die Oberstadt.

Basilika Saint-Christophe

Die Basilika Saint-Christophe steht unmittelbar an der Place Charles II. Ihre Geschichte reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, das heutige Erscheinungsbild wurde jedoch durch spätere Erweiterungen und Umbauten geprägt.

Besonders auffällig ist die große Mosaikgestaltung im Inneren. Goldene Flächen und religiöse Darstellungen verleihen dem Kirchenraum eine monumentale Wirkung, die von der vergleichsweise zurückhaltenden Außenansicht kaum zu erwarten ist.

Die Kirche lässt sich unkompliziert in einen Rundgang durch die Oberstadt einbauen. Während Gottesdiensten und religiösen Veranstaltungen sind angemessene Kleidung und zurückhaltendes Verhalten selbstverständlich.

Passage de la Bourse und Unterstadt

Die Passage de la Bourse ist eine überdachte Einkaufspassage aus dem späten 19. Jahrhundert. Eine geschwungene Glas- und Metallkonstruktion überspannt den Innenraum, während dekorierte Fassaden an die Zeit erinnern, in der Charleroi durch Industrie und Handel stark wuchs.

Die Passage verbindet zwei Straßen der Unterstadt und bildet einen interessanten Kontrast zu den modernen Einkaufsbereichen in der Umgebung. Sie eignet sich weniger als eigenständiges Tagesziel, gehört aber zu den charakteristischen Stationen eines Stadtrundgangs.

Rund um die Passage finden sich weitere Fassaden aus der Zeit um 1900. Wer den Blick von den großen Sehenswürdigkeiten löst, entdeckt Balkone, Erker, Keramikschmuck und dekorative Metallarbeiten.

Art nouveau und Art déco

Charleroi besitzt einen bemerkenswerten Bestand an Jugendstil- und Art-déco-Architektur. Viele Gebäude entstanden während der wirtschaftlichen Blüte der Industrieregion. Wohlhabende Unternehmer, Händler und Angehörige freier Berufe ließen Wohn- und Geschäftshäuser mit individuellen Fassaden errichten.

Zu den bekannten Beispielen gehört die Maison Dorée mit ihrer reich dekorierten Fassade. Weitere Gebäude verteilen sich über mehrere Straßen der Oberstadt. Sgraffiti, geschwungene Linien, florale Formen und farbige Materialien treten häufig erst bei genauer Betrachtung hervor.

Ein offizieller Architekturweg verbindet mehrere dieser Bauwerke. Für Besucher mit besonderem Interesse an Architektur ist ein entsprechender Stadtplan oder Themenführer hilfreicher als eine allgemeine Sehenswürdigkeitenliste.

Street-Art und Comic-Kultur

Street-Art gehört inzwischen zu den sichtbarsten Bestandteilen des modernen Charleroi. Großformatige Wandgemälde, kleinere Arbeiten und gestaltete Unterführungen verteilen sich über das Zentrum und mehrere Außenviertel.

Die Motive greifen häufig Industriegeschichte, lokale Persönlichkeiten, gesellschaftliche Themen oder die Comic-Tradition der Region auf. Charleroi ist eng mit dem Verlag Dupuis und der belgischen Comicgeschichte verbunden. Figuren und Stilrichtungen aus dieser Tradition erscheinen an Fassaden und im öffentlichen Raum.

Ein Street-Art-Rundgang vermittelt einen guten Eindruck davon, wie leer stehende Wände und schwierige Stadträume kulturell neu interpretiert werden. Da Kunstwerke übermalt, ergänzt oder durch Bauarbeiten verändert werden können, bleibt die Route dynamisch.

Besonders interessant ist die Verbindung aus Street-Art und Industriearchitektur. Fördertürme, Betonbauten und Backsteinfassaden bilden eine ungewöhnliche Kulisse, die sich deutlich von klassischen Kunstvierteln anderer Städte unterscheidet.

BPS22 und zeitgenössische Kunst

Das BPS22 befindet sich in einem markanten Industrie- und Ausstellungsgebäude nahe dem Zentrum. Das Kunstmuseum der Provinz Hennegau widmet sich zeitgenössischer Kunst und gesellschaftlichen Themen.

Die Ausstellungen wechseln regelmäßig und können Malerei, Fotografie, Installationen, Skulpturen oder multimediale Arbeiten umfassen. Das Gebäude selbst ist Teil des Besuchserlebnisses. Seine großen Hallen erinnern an die industrielle Vergangenheit und bieten Raum für Werke, die in kleineren Museen kaum gezeigt werden könnten.

Das BPS22 lässt sich gut mit dem Rathaus, der Oberstadt und einem Architekturspaziergang verbinden. Da das Programm wechselt, lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die laufenden Ausstellungen.

Museum der Schönen Künste

Das Musée des Beaux-Arts behandelt Kunst aus Charleroi, der Wallonie und Belgien. Werke des 19. und 20. Jahrhunderts geben Einblicke in Industrialisierung, gesellschaftlichen Wandel, Landschaftsdarstellungen und unterschiedliche Kunstströmungen.

Die Sammlung hilft dabei, Charleroi nicht nur als Produktionsstandort, sondern auch als kulturelles Zentrum einer stark veränderten Region zu verstehen. Künstler reagierten auf Kohlebergbau, Fabriklandschaften und das Leben der Arbeiterschaft ebenso wie auf internationale Entwicklungen der modernen Kunst.

Für den Besuch sollten ungefähr ein bis zwei Stunden eingeplant werden. In Verbindung mit dem BPS22 entsteht ein abwechslungsreicher Museumstag zwischen historischer und zeitgenössischer Kunst.

Fotomuseum in Mont-sur-Marchienne

Das Musée de la Photographie liegt südlich des Zentrums in Mont-sur-Marchienne. Es befindet sich in einem ehemaligen neugotischen Karmeliterkloster, das durch einen modernen Flügel ergänzt wurde.

Die Dauerausstellung zeichnet die Entwicklung der Fotografie von frühen Verfahren des 19. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Positionen nach. Dokumentarische Aufnahmen, künstlerische Fotografie, Porträts, technische Kameras und wechselnde Sonderausstellungen vermitteln unterschiedliche Zugänge zum Medium.

Das Gebäude besitzt außerdem einen Garten, der eine ruhige Pause zwischen den Ausstellungsbereichen ermöglicht. Aufgrund des Umfangs der Sammlung sollten mindestens zwei bis drei Stunden eingeplant werden.

Das Museum liegt außerhalb des unmittelbaren Zentrums, ist jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto erreichbar. Für Fotografieinteressierte gehört es zu den wichtigsten Gründen für eine Reise nach Charleroi.

Bois du Cazier und die Bergbaugeschichte

Der Bois du Cazier in Marcinelle ist der bedeutendste Erinnerungs- und Industrieort der Stadt. Die ehemalige Zeche gehört gemeinsam mit drei weiteren historischen Bergbaustätten der Wallonie zum UNESCO-Welterbe.

Am 8. August 1956 kam es unter Tage zu einem Brand, bei dem 262 Bergleute aus zwölf Nationen ums Leben kamen. Ein großer Teil der Opfer stammte aus Italien. Die Katastrophe machte die gefährlichen Arbeitsbedingungen im europäischen Bergbau und die Lebensrealität der angeworbenen Arbeitsmigranten international sichtbar.

Heute verbindet der Bois du Cazier Gedenkstätte, Industriegeschichte und Museum. Das Erinnerungszentrum dokumentiert den Ablauf der Katastrophe, die Rettungsversuche und die Folgen für die Familien. Fotografien, Zeugenaussagen und technische Erklärungen vermitteln die Ereignisse auf sachliche und respektvolle Weise.

Zum Gelände gehören außerdem ein Industriemuseum und ein Glasmuseum. Maschinen, Werkzeuge und Produktionsanlagen zeigen die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Das Glasmuseum erinnert daran, dass neben Kohle und Stahl auch die Glasherstellung eine wichtige Rolle spielte.

Für den gesamten Besuch sollten mehrere Stunden eingeplant werden. Der Bois du Cazier ist kein gewöhnliches Technikmuseum, sondern zugleich ein Ort des Gedenkens.

Halden, Natur und die Boucle Noire

Rund um Charleroi erheben sich zahlreiche ehemalige Abraumhalden, die in der Region als Terrils bezeichnet werden. Sie entstanden aus Gestein und Material, das beim Kohleabbau an die Oberfläche gebracht wurde.

Nach dem Ende des Bergbaus wurden viele Halden von Pflanzen besiedelt. Heute bilden sie ungewöhnliche Biotope mit Wäldern, offenen Flächen und Aussichtspunkten. Von den höheren Bereichen reichen Blicke über Wohnviertel, frühere Zechen, Kanäle und verbliebene Industrieanlagen.

Die Boucle Noire verbindet mehrere dieser Landschaften zu einer langen Stadtwanderung. Die Route führt durch sehr unterschiedliche Gebiete und richtet sich eher an geübte Wanderer als an Besucher, die lediglich einen kurzen Zentrumsspaziergang unternehmen möchten.

Festes Schuhwerk, ausreichend Wasser und eine offline verfügbare Karte sind sinnvoll. Einige Abschnitte verlaufen durch wenig touristische Stadtgebiete, weshalb die Wanderung bei Tageslicht angenehmer ist.

Der Kanal und ehemalige Industrieachsen

Kanäle und Wasserwege spielten für den Transport von Kohle, Stahl und Rohstoffen eine zentrale Rolle. Rund um Marchienne-au-Pont und die westlichen Stadtteile sind diese industriellen Verkehrsachsen weiterhin sichtbar.

Spaziergänge entlang ausgewählter Uferabschnitte zeigen Brücken, Schleusen, Lagerflächen und ehemalige Produktionsstandorte. Die Landschaft wirkt nicht klassisch idyllisch, bietet aber interessante Perspektiven auf die Entwicklung der Industriestadt.

Einige frühere Fabrik- und Zechengebäude werden heute für Musik, Veranstaltungen und kreative Projekte genutzt. Das Rockerill in Marchienne-au-Pont ist ein Beispiel für die kulturelle Umnutzung industrieller Architektur. Das Veranstaltungsprogramm verändert sich regelmäßig.

Regionale Küche und belgische Spezialitäten

Charleroi besitzt eine bodenständige Gastronomieszene mit wallonischen, belgischen und internationalen Einflüssen. Die italienische Einwanderung hat die Restaurantkultur der Region deutlich mitgeprägt. Neben traditionellen Brasserien finden sich daher zahlreiche italienische Restaurants und Familienbetriebe.

Typische belgische Gerichte sind Frites, Kroketten, geschmortes Fleisch, Frikadellen in Sauce und unterschiedliche Bierspezialitäten. In der Wallonie werden herzhafte Speisen häufig mit regionalen Saucen, Käse oder Bier kombiniert.

Eine lokale Süßigkeit sind die sogenannten Gayettes, dunkle Schokoladenstücke, deren Form an Kohle erinnert. Sie greifen die Identität des früheren „Pays Noir“, des Schwarzen Landes, auf.

Das Zentrum bietet Restaurants rund um Place Charles II, Place Verte und die Unterstadt. Außerhalb der Innenstadt liegen interessante Lokale häufig weiter auseinander, sodass eine vorherige Planung sinnvoll ist.

Ausflüge in die Umgebung

Thuin liegt südwestlich von Charleroi und besitzt eine historische Oberstadt, einen Belfried und die sogenannten hängenden Gärten. Die steile Lage über der Sambre verleiht der kleinen Stadt einen völlig anderen Charakter.

In der Nähe befinden sich die Ruinen der Abtei Aulne. Die ehemalige Zisterzienserabtei liegt in einer grünen Flusslandschaft und lässt sich mit Spaziergängen oder Fahrradtouren verbinden.

Die Seen von Eau d’Heure eignen sich für Wassersport, Wanderungen und einen längeren Naturausflug. Chimay ist für sein Schloss, die historische Kleinstadt und die Trappistentradition der Region bekannt.

Brüssel, Namur und Mons sind mit der Bahn erreichbar. Für einen kurzen Aufenthalt sollte Charleroi jedoch nicht nur als Schlafstandort für Brüssel betrachtet werden, da die eigene Stadtgeschichte mehrere Tage füllen kann.

Geeignete Unterkunftsbereiche

Die Unterstadt rund um Charleroi-Central eignet sich besonders für Bahnreisende und kurze Aufenthalte. Bahnhof, Einkaufsbereiche und zentrale Straßen sind schnell erreichbar.

Die Oberstadt rund um Place Charles II ist für Architektur, Museen und Restaurants praktisch. Je nach genauer Lage kann der Weg zum Bahnhof länger und teilweise steiler sein.

Unterkünfte in Gosselies sind vor allem bei sehr frühen oder späten Flügen sinnvoll. Der Flughafen liegt nördlich des Stadtzentrums und nicht unmittelbar am Hauptbahnhof.

Wie in jeder größeren Stadt empfiehlt sich nachts eine Unterkunft an einer gut beleuchteten Hauptstraße mit verlässlicher Verkehrsanbindung. Abgelegene Gewerbe- und Industriegebiete sind ohne eigenes Fahrzeug weniger praktisch.

Beste Reisezeit für Charleroi

Charleroi kann ganzjährig besucht werden. Von April bis Juni und von September bis Oktober sind die Temperaturen meist angenehm für Architekturspaziergänge, Street-Art-Routen und Wanderungen auf den Halden.

Im Sommer eignen sich längere Tage für Ausflüge und Naturwege. Museen bieten eine gute Ergänzung bei Regen oder großer Wärme. Der Winter wirkt häufig grau und feucht, passt aber zur rauen Industriearchitektur und ermöglicht einen kulturorientierten Aufenthalt.

Da zahlreiche Sehenswürdigkeiten in Innenräumen liegen, ist Charleroi weniger stark von einer bestimmten Saison abhängig als klassische Bade- oder Naturziele.

Empfohlene Aufenthaltsdauer

Zwei Tage reichen für Oberstadt, Unterstadt, Street-Art und eines der größeren Museen. Drei Tage ermöglichen zusätzlich den Bois du Cazier und das Fotomuseum.

Vier Tage sind sinnvoll, wenn eine Haldenwanderung oder ein Ausflug nach Thuin, zur Abtei Aulne oder zu den Seen von Eau d’Heure geplant ist.

Anreise und Mobilität

Charleroi-Central ist der wichtigste Bahnhof der Stadt. Bahnverbindungen führen unter anderem nach Brüssel, Namur, Mons und zu weiteren Orten in Belgien.

Der Flughafen Brussels South Charleroi liegt in Gosselies nördlich des Zentrums. Busverbindungen verknüpfen das Terminal mit Charleroi-Central sowie mit weiteren Bahnhöfen der Umgebung. Trotz seines Namens befindet sich der Flughafen nicht in Brüssel.

Im Stadtgebiet verkehren Busse und Stadtbahnlinien des wallonischen Verkehrsunternehmens TEC. Das unmittelbare Zentrum lässt sich gut zu Fuß erkunden. Für das Fotomuseum, den Bois du Cazier und abgelegenere Industrieorte sind öffentliche Verkehrsmittel, Taxi oder Auto praktischer.

Ein Mietwagen wird für die Innenstadt nicht benötigt, erleichtert aber Ausflüge in die ländlichere Umgebung.

Aktuelle Reiseführer und passende Bücher für Charleroi

Charleroi wird in allgemeinen Belgien-Reiseführern häufig nur kurz behandelt. Für einen Tagesbesuch kann ein kompakter Stadtplan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten genügen.

Bei einem stärkeren Interesse an Industriegeschichte ist ein ausführlicher Wallonie-Reiseführer sinnvoll. Er kann Charleroi mit weiteren Bergbaustätten, Mons, La Louvière, dem Grand-Hornu und den Industrielandschaften der Region verbinden.

Architekturinteressierte profitieren von thematischen Führern zu Art nouveau und Art déco. Für Street-Art und Comic-Kultur sind aktuelle lokale Rundgänge und Karten besonders hilfreich, da sich Kunstwerke und Routen verändern können.

Bücher über belgische Industriegeschichte, Arbeitsmigration und die Katastrophe von Marcinelle ermöglichen eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bois du Cazier. Fotografieinteressierte können den Museumsbesuch durch Ausstellungskataloge und Fotogeschichten ergänzen.

Für Wanderungen auf den Halden ist detailliertes Kartenmaterial sinnvoller als ein klassischer Stadtführer. Digitale Karten sollten möglichst offline verfügbar sein.

Fazit

Charleroi ist kein klassisch herausgeputztes Städtereiseziel, sondern eine vielschichtige wallonische Stadt, deren Industriegeschichte und gegenwärtiger Wandel offen sichtbar bleiben. Rathaus und Belfried, Basilika Saint-Christophe, Passage de la Bourse und Jugendstilfassaden zeigen die architektonische Seite des Zentrums.

Street-Art, BPS22 und das Fotomuseum stehen für den kulturellen Neuanfang. Der Bois du Cazier vermittelt Bergbaugeschichte, Arbeitsmigration und die Erinnerung an die Katastrophe von 1956. Begrünte Halden und ehemalige Industrieachsen zeigen, wie sich frühere Produktionslandschaften in Natur- und Kulturräume verwandeln.

Für einen ersten Besuch sind zwei bis drei Tage angemessen. Ein kompakter Stadtführer reicht für das Zentrum, während Bücher über Industriekultur, Architektur und Fotografie einen tieferen Zugang zur Stadt und ihrer Region ermöglichen.

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